Offener Brief: „Viele Roma verlassen Freiburg wieder“ und unsere Anfrage vom 15.04.2010
Sehr geehrter Herr Bürgermeister von Kirchbach,
wir wenden uns an Sie bezüglich des Artikels in der Badischen Zeitung vom 08.07.2010 „Viele Roma verlassen Freiburg wieder“. Als erstes müssen wir Sie nochmals erinnern, dass wir am 15.04.2010 eine Anfrage zu diesem Thema gestellt haben, die noch nicht beantwortet ist. Wir sind von diesem Vorgehen enttäuscht und erwarten von Ihnen eine baldige Antwort auf diese Anfrage.
Dem BZ- Artikel ist zu entnehmen, „Die Flüchtlingswelle sei abgeebbt, nachdem die Stadt auf Sachleistungen umgestellt habe, berichtet Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach.“
Diese Aussage unterstellt, dass es für die Menschen keinen existenziellen Grund gab, hier Asyl zu suchen, und dass die Priorität das Erhalten von Bargeld sei. Dieses wird auch widergespiegelt in Kommentaren zum Artikel, ein Beispiel von vielen davon ist:
„Modernes "Schmarotzertum" oder auch "Parasitismus" würde ich das nennen. Kann der Wirt nicht mehr gemolken werden, sucht man sich einen anderen Wirt.“
Weiter kann man dem Artikel einen Bezug von Flüchtlingen zu Schleuserbanden entnehmen. Dies stellt diese Menschen in die direkte Nähe zur Kriminalität, indem das Geld, das diese Menschen in Freiburg gesucht hätten, eine illegale Nutzung finden würde.
Die Darstellung von Ihren Aussagen in der Zeitung bedient viele Stereotypen über diese Menschen. Die Kommentare zum Artikel als nur eine unwichtige Minderheitsmeinung abzuwerten, ist nicht ratsam.
Es ist festzustellen, dass ein Bezug zu Schleuserbanden nach wie vor eine unbegründete
Vermutung mit wenig Wirklichkeitsbezug bleibt. Auch die Aussage, dass die Menschen wegen der Sachleistungen abgereist seien, und dass sie wieder zurück auf den Balkan gegangen seien, ist auch nur die Äußerung von Vermutungen ohne jeglichen Beweis. In diesem Fall verbreiten Sie Geschichten, die, wenn sie nicht falsch sind, doch auf Spekulationen basieren.
Wie wir in unserer Anfrage zu vermitteln versuchten, ist auch in Freiburg Rassismus vorhanden. Dieser ist besonders stark gegenüber Flüchtlingen zu erkennen und gegenüber Menschen, die als Roma erkannt werden. Dies bekommt dann eine spezifische Eigendynamik.
Wir lesen daher mit komplettem Unverständnis, dass Sie, Herr Bürgermeister, diese rassistischen Stereotypen mit Ihren Aussagen bedienen. Wir könnten diese Aussagen als Verunglimpfung einstufen, wären Sie nicht auf diese Problematik bereits aufmerksam gemacht. Daher können wir nur mit größtem Unverständnis auf Ihre Äußerungen in der Badischen Zeitung reagieren.
Unsere Erwartung an einen Bürgermeister, besonders einen Bürgermeister mit Zuständigkeit für Integration, ist, rassistischen Stereotypen entgegenzutreten und nicht, wie in diesem Fall, diese zu bedienen.
Wir kennen Sie bisher als einen Menschen, der auch in schwierigen Situationen bewiesen hat, dass er ein feines Gespür für die Auswirkungen von Aussagen über Menschen oder ganze Gruppen hat. Daher sind wir in diesem Fall besonders enttäuscht und waren darauf nicht gefasst, dass Sie dieses Gespür diesmal nicht beweisen würden.
Weiter müssen wir anmerken, dass unsere schon dargestellte Vermutung, dass die Maßnahmen, die die Verwaltung ergriffen hat, in erster Linie dazu gedacht waren, die Menschen abzuschrecken, jetzt bestätigt ist. Wenn Menschen sich Hilfe suchend an uns wenden, müssen wir verantwortungsbewusst damit umgehen. Wir können nur hoffen, dass die Familien, die jetzt nicht mehr hier sind, einen sichereren Ort als Freiburg finden.
Mit freundlichen Grüßen,
Coinneach McCabe
Monika Stein
links
Badische Zeitung: Viele Roma verlassen Freiburg wieder
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