Alltäglicher Antisemitismus
In letzter Zeit mussten wir uns noch Mal die Frage über die Sensibilität gegenüber Antisemitismus in der Gesellschaft stellen. Bezogen auf die NS-Vergangenheit oder Neonazigruppen wird der Bezug schnell hergestellt und verstanden, aber wenn diese Diskriminierungsform im Alltag auftaucht, wird die Wahrnehmung trüb.
Im Umgang mit dem Gemälde „Max John“ hat die Stadt wenig Sensibilität erkennen lassen und ein beschämendes Verhalten an den Tag gelegt, als es darum ging, ihr unrechtmäßig erworbenes Eigentum zu schützen.
Ein anderes Beispiel der jüngsten Zeit ist die Kundgebung der AnhängerInnen der Pius-Bruderschaft auf dem Platz der Alten Synagoge. Da dieser Bereich nicht dem Rechtsradikalismus zugeordnet wird, sondern dem religiösen Fundamentalismus, werden deren antisemitische Aspekte nicht wahrgenommen, obwohl es gut belegt ist. Eine Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge sollte selbstverständlich für die Pius-Bruderschaft ausgeschlossen sein.
Die Stadtverwaltung sollte eine Vorbildfunktion in der Bekämpfung von Vorurteilen übernehmen. Dafür ist es notwendig, dass die nötige Sensibilität entsteht, um antisemitische Tendenzen auch dort zu erkennen, wo kein Schild darauf hinweist.
