Wem nützt das präventive „Gruppentrinkverbot“?

Unsere Stadt gibt sich viele Etiketten, auch das der „offenen Stadt“. Doch für wen ist Freiburg „offen“?

Durch die Polizeiverordnung können Menschen von öffentlichen Plätzen vertrieben werden, die dort Alkohol konsumieren und dadurch die öffentliche Ordnung stören könnten. Diese Verordnung betrifft vor allem Obdachlose und Suchtkranke, häufig Menschen, die auf Beratungs-, Hilfs- oder Unterstützungsangebote angewiesen sind, und führt dazu, dass die Anlaufstellen von diesen schlechter erreicht werden können.

Beunruhigend ist, dass das Amt für öffentliche Ordnung meint, die Bänke auf dem Stühlinger Kirchplatz sollen „insbesondere den älteren Quartiersbewohnern und Kirchenbesuchern zum verweilenden Aufenthalt dienen“.

Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass die Menschen, die diese brauchen, sie auch räumlich erreichen können. Verbote und Verordnungen dürfen das nicht verhindern.

Unsere Vorstellung von einer offenen Stadt ist aber die, dass sich in einem öffentlichen Park alle erholen können sollte – die älteren QuartiersbewohnerInnen ebenso wie auch Eltern mit Kindern, Wohnungslose, junge Studierende usw. Niemanden sollte der Aufenthalt unangenehm oder unmöglich gemacht werden. Das sollte unser Ziel sein – nicht die Entfernung von Personen, die stören könnten.

 

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.

" Z' Friburg in der Stadt - Suufer isch's un glatt " ...

Reglementierungen auch an anderer Stelle für eine saubere, 'ordentliche' Innenstadt (mit einem Video von "TV Südbaden" ) :

Strengere Regeln für Nutzung des öffentlichen Raums - Bürgermeisteramt will Altstadt-Flair schützen

Das Bürgermeisteramt der Stadt Freiburg will Sondernutzungsrichtlinien für den öffentlichen Raum in der Innenstadt einführen. Demnach sollen die Bewirtungsflächen der Gastronomie auf öffentlichen Plätzen nicht weiter wachsen. Gleichzeitig werde es neue Vorgaben für die Ausstattung der Außenflächen geben, teilte die Stadt mit. So dürfen Tische und Stühle nur noch aus Holz oder Metall sein, Sonnenschirme dürfen keine Werbung mehr enthalten. Auch die Flächen für Warenauslagen sollen beschränkt werden. Die neuen Richtlinien sollen das Flair der Altstadt schützen, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon.

Quelle: TV Südbaden

http://www.tv-suedbaden.de/default.aspx?ID=2107&showNews=431065&showArchiv=1&aktMonat=4&aktJahr=2009&aktWoche=4 

Wo sind eigentlich die bunt gemischten Marktstände vom "Kartoffelmarkt" abgeblieben, die einstmals "nur vorübergehend" aus dem 'Stadtbild' entfernt wurden ?

Ausnahmsweise (versprochen !!!) ein wenig 'Heimatdichtung':

Johann Peter Hebel (1760 - 1826),

"Der Schwarzwälder in Breisgau" (Auszug)

Z' Fryburg in der Stadt,
suufer isch's un glatt;
riichi Heere, Geld un Guet,
Jumpfere wie Milch un Bluet,
z' Fryburg in der Stadt.

dagegen in einer anderen Strophe: 

Z' Staufe uf em Märt
henn si, was me gehrt:
Tanz un Wii un Lustberkait,
was airn numme 's Herz erfreut,
z' Staufe uf em Märt !

Quelle: Staufen-im-Breisgau.de http://www.staufen-im-breisgau.de/johann-peter-hebel.html

Für mich stellt hier Johann Peter Hebel das 'saubere', sterile und reiche Freiburg dem fröhlichen, lebendigen,  ländlichen Staufen gegenüber; die Freiburger missverstehen diese Kritik jedoch bis zum heutigen Tage - zum Leidwesen der "Lustbarkait".  

Und hier der Versuch einer (wörtlichen) 'Übersetzung' vom 'Alemannischen' ins 'Hochdeutsche':

Zu Freiburg in der Stadt,
sauber ist's und glatt*;
reiche Herren, Geld und Gut,
junge Frauen, wie Milch und Blut,
zu Freiburg in der Stadt.

 

Zu Staufen auf dem Markt
haben sie, was man begehrt:
Tanz und Wein und Lustberkeit,
was einem nur das Herz erfreut,
zu Staufen auf dem Markt !

*) Unter "glatt" versteht die Alt-Freiburgerin, Frau Gabriele Fahr, eine Vergleichs- bzw. Steigerungsform von "sauber"; meine Freundin Birgit würde es mit dem negativ besetzten "geschleckt" übersetzen ...

Darstellungsoptionen

Wählen Sie hier Ihre bevorzugte Anzeigeart für Kommentare und klicken Sie auf „Einstellungen speichern“ um die Änderungen zu übernehmen.