Überfälle in Freiburg: Verantwortungsvolle Politik gefragt

Rassismus entschieden entgegentreten

Mit Emotionen kann man Politik machen. Kriminalität im öffentlichen Raum passt sehr gut in dieses Schema, besonders dann, wenn eine vermeintliche Gruppe als schuldig ausgemacht wird. Falls dies in der Vorwahlzeit geschieht, haben wir die richtige Mischung, die sicher dazu führt, dass Politik in blinden Aktionismus verfällt.

Die Situation in Freiburg nach der Veröffentlichung des BZ-Artikels „Überfälle in Freiburg: Ermittler fahnden nach Flüchtlingen“ zeigt alle Anzeichen dafür.

Die StadträtInnen der Grünen Alternative Freiburg müssen festellen, dass dieser Artikel bereits problematische Auswirkungen zur Folge hatte: „Das Anheizen rassistischer Stereotype, statt einer verantwortungsbewussten Darstellung eines tatsächlichen Problems aufgrund fundierter Informationen finden wir hochgradig bedenklich.“


Die Beschuldigungen kommen von Seiten der Polizei Baden-Württemberg, wobei über die Täter noch nichts bewiesen ist. Trotzdem wird aufgrund von Vermutungen der  angeblichen Anstieg von Überfällen sofort mit der Zahl minderjähriger Flüchtlinge in Verbindung gebracht und auch gar nicht mehr in Frage gestellt. „Es ist Wahlkampfzeit und sämtliche politische Parteien übernehmen völlig unkritisch diese unnachgewiesene Verbindung“, sagt Monika Stein.
Bisher gab es nur Hinweise auf einen Tatverdacht gegen bestimmte Personen. Der Zusammenhang zu einer bestimmten Gruppe oder die Relevanz dieser Gruppenzugehörigkeit wird  nicht erklärt.

Die derzeitigen Beschuldigungen werden nach einem vermeintlich erhöhten Auftreten von Überfällen im Stühlinger und in der Innenstadt laut. Dies steht gegenüber der Kriminalstatistik für Freiburg, wo die Anzahl der Raubüberfälle in den letzten 10 Jahren rückläufig ist, hier wird auch keine Zuordnung der Straftaten zu einer bestimmten Gruppe gegeben.

Den Stühlinger Kirchplatz aufgrund der letzten Überfälle als „No-go-Area“ zu deklarieren, ist nicht nur übereilt, sondern reine Panikmache. Die Stadt Freiburg muss Verantwortung übernehmen, die Ursachen von Kriminalität bekämpfen und hier auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

Dieses Vorgehen erinnert stark an ein Ereignis im Juli letzten Jahres. Damals hatte ein ähnliches Vorgehen von Polizei und Medien bei einer Razzia in einem Flüchtlingswohnheim zu großer Aufregung geführt. „Das medial wirksame Vorgehen hat nichts positives zum angeblichen Anliegen beigetragen, sondern nur die Diskriminierung verstärkt. Das scheint allerdings das Ziel gewesen zu sein“, befürchtet Coinneach McCabe.

Wir dürfen uns durch das Hochkochen von Emotionen nicht auch noch neue und größere Probleme schaffen. „Rassismus ist ein tatsächliches Problem, auch im Freiburger Alltag und wie stark der verankert ist, ist vor allem in den Reaktionen auf den Artikel zu sehen“, sagt Coinneach McCabe.

Kommentare

Rasthaus gegen rassistische Hetze aus der Freiburger BZ Lokalred

https://rdl.de/beitrag/rasthaus-gegen-rassistische-hetze-der-bz-lokalred...

In einem Offenem Brief haben sich die Mitarbeitenden des Rasthaus Freiburg gegen die Hetze des selbstdeklarierten Stadtreporters Joachim Röderer gewandt. Die BZ Lokalredaktion publiziere einen Artikel der blosse Vermutungen als Tatsachen präsentiere und zudem durch pure spekulative Assoziation Bevölkerungsgruppen ("unbegleitete jugendliche Flüchtlinge) unter "Generalverdacht" stelle. "Solche unüberlegten Gleichsetzungen/Berichterstattung sprechen vielmehr eine deutlich rassistische Sprache."

Unter Bezugnahme auf die Reaktionen im BZ Forum, das der zuständige Online-Redakteur ohnehin als vermeintliche Volks-Zorn Spielwiese pflegt, wird die intendierte Wirkung kritisiert. Vor dem Hintergrund der von Nazis gepflegten Verdoppelung von rassistisch motivierten Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte. Der offene Brief fragt: "Wer übernimmt die Verantwortung, wenn dadurch morgen Übergriffe gegenüber Flüchtlingen oderFlüchtlingsunterkünften verübt werden?"
Nun neben dem für seine populistischen Ausfälle bekannten Autor zweifellos der verantwortlicher Redakteur des Lokalteils: Uwe Mauch. Nicht zu vergessen auch der Verleger der beide aus der Ortenau holte: Christian Hodeige.