Wie viel ist „der Papst“ Besuch wert

Kostenexplosion und Intransparenz

Nächsten Monat wird das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in Freiburg erwartet. Der gegenwärtige Besuch von Herrn Ratzinger hat in Spanien zu großen Ausschreitungen geführt, die an die Szenen Anfang des Monats im Vauban erinnern. In Madrid haben mehr als 100 KlerikerInnen einen Appell unterschrieben, dass der Papst fernbleibe. Einer der Gründe dafür ist die gegenwärtige Finanzlage, in der ein so teurer „Gast“ nicht angemessen sei.

In Freiburg ist die Haushaltslage auch angespannt, die ursprüngliche „Einschätzung“ der Stadt Freiburg für Kosten von 300.000 € für den städtischen Haushalt scheint jetzt unangemessen zu sein. „Wir unterstellen, dass diese Zahl bewusst niedrig gehalten wurde, im vollen Wissen, dass sie nicht eingehalten werden würde.“ bemängelt Monika Stein. In dieser Kostenschätzung waren z.B Personalkosten nicht vorhanden.

Gleichzeitig verlangen die GAF StadträtInnen, dass die Stadt Freiburg eine neutralere Position einnimmt, was den Besuch dieses Staatsoberhauptes betrifft.

„Die unbegrenzte Freude seitens der Stadt trifft nicht die tatsächliche Meinung in Freiburg, wir fordern eine angemessene Linie der Stadtverwaltung, die auch die kritischen Stimmen berücksichtigt.“ so Coinneach McCabe

Die Rolle der römisch-katholischen Kirche und des Vatikans, was Gleichberechtigung von Frauen und was Daseinsberechtigung unterschiedlicher Lebensweisen betrifft, ist eine für eine offene Gesellschaft inakzeptable. Dies ignoriert die Stadtverwaltung komplett.

Bedenken verursacht den StadträtInnen der Grünen Alternative Freiburg auch, dass die Stadt Freiburg zu fast allem bereit scheint, um in der Presse, auch bundes- und weltweit, für sich zu „werben“ Es scheint gleichgültig wie, Hauptsache es springt eine Erwähnung für die Stadt heraus. Dies zeigen auch die Freiburger Wirtschaftskontakte nach China ohne jegliches Ansprechen von Menschenrechtsverletzungen.

Kommentare

Kurzaufruf

Am 24. und 25. September 2011 kommt Joseph Ratzinger, bekannt als Papst Benedikt XVI, nach Freiburg. Wir nehmen dies zum Anlass, unsere grundsätzliche Kritik an Religion, Kirche und den gesellschaftlichen Verhältnissen zu äußern.

Seit Jahrhunderten propagiert die katholische Kirche eine zutiefst reaktionäre wie restriktive Sexualmoral, stigmatisiert alle, die nicht einem konservativen sowie heterosexuellen Familienbild entsprechen, als Sünder_innen, und nimmt Menschen mit dem Verbot von Verhütung und Schwangerschaftsabbruch die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben.

Unter der Führung von Ratzinger kam es zudem zu einem Aufleben des katholischen Antijudaismus, der sich unter anderem in der Wiederaufnahme der Bischöfe der klerikal-faschistischen Piusbruderschaft samt des Holocaustleugners Williamson in die katholische Kirche äußert.

Dass eine solche Ideologie im Rahmen eines Großevents von Zehntausenden abgefeiert, von Presse intensivst beworben, sowie von der Stadt mit Millionen Euro gefördert wird, ist erschreckend, aber nicht weiter verwunderlich.

Antisemitismus, Patriarchat und Obrigkeitshörigkeit sind nicht allein kirchliche Probleme, sondern Alltag auch im Kapitalismus, wie sie sich ganz konkret in konservativer Familienpolitik oder dem restriktiven Abtreibungsgesetz in Deutschland äußern. Religion beinhaltet für ihre Gläubigen ein „himmlisches“ Emanzipationsversprechen von diesem weltlichen Elend. Gleichzeitig ist sie jedoch nichts anderes als der Ausdruck eben jenes Elends und reproduziert – teilweise verschärft – Unmündigkeit und Unterdrückung im kapitalistischen Alltag.

Wir wollen deshalb nicht bei der Kritik der Religion stehenbleiben, sondern alle Verhältnisse, aus denen Herrschaft resultiert, aufheben.

Antisemitismus – Patriarchat – Kapitalismus – WHAT THE FUCK?! Für die befreite Gesellschaft!